{"id":2636,"date":"2014-02-28T15:53:59","date_gmt":"2014-02-28T15:53:59","guid":{"rendered":"http:\/\/marinamasoni.ch\/web\/?p=2636"},"modified":"2021-02-24T15:54:38","modified_gmt":"2021-02-24T15:54:38","slug":"ich-bin-ein-tessiner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/ich-bin-ein-tessiner\/","title":{"rendered":"Ich bin ein Tessiner"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIch kann wirklich sagen: Ich bin ein Tessiner.\u201c Der SVP-Pr\u00e4sident weiss, wie man zu den Herzen der Menschen spricht. Toni Brunner machte diese Kennedy-m\u00e4ssige Aussage in einem Interview mit dem \u201eCorriere del Ticino\u201c am Tag des \u2013 f\u00fcr ihn \u2013 grossen Sieges. Er verlangte die schnellst m\u00f6gliche Umsetzung des neuen Verfassungsartikels zu den Ausl\u00e4ndern und Asylbewerbern und erkl\u00e4rte, das Tessin sei f\u00fcr den Ausgang der Abstimmung entscheidend gewesen. Stimmt. Aber nicht allein. Einzeln betrachtet, gaben auch die Kantone St. Gallen (fast 21\u2019000 mehr Ja-Stimmen) und Aargau (\u00fcber 23\u2019000 Ja-Stimmen\u00fcberschuss) den Ausschlag. Das Tessin war also kein Sonderfall im Sonderfall Schweiz. So gesehen kann Toni Brunner durchhaus behaupten, er sei ein Tessiner. Die Schweiz hingegen hat best\u00e4tigt, dass sie ein Sonderfall in Europa ist.<\/p>\n<p>Warum? Weil wir wahrscheinlich das einzige europ\u00e4ische Land sind, dessen Wirtschaft und Arbeitsmarkt wachsen, und das trotzdem wie zu Krisenzeiten abstimmt. Auch im Tessin hat die Wirtschaft im Zeitraum der bilateralen Vertr\u00e4gen zwischen 2002 und 2013 real zugelegt, die L\u00f6hne sind dabei mittelm\u00e4ssig, die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze stark angestiegen \u2013 von 150\u2019000 auf 180\u2019000, also um ganze 20 Prozent. Und doch entschied das Stimmvolk am 9. Februar so, als steckte die Wirtschaft in der Krise. Wie ist dies zu erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p>Es gibt drei Hauptgr\u00fcnde daf\u00fcr. Erstens fiel ein Grossteil dieser positiven wirtschaftlichen Entwicklung auf Arbeitnehmende, die nicht im Tessin ans\u00e4ssig sind (Grenzg\u00e4nger und selbstst\u00e4ndig Erwerbende aus Italien, die sogenannten padroncini), zweitens hat Italien dem Tessin keine Reziprozit\u00e4t garantiert, und drittens wurden der Druck und die Drohungen von Seiten der Europ\u00e4ischen Union oder einzelner EU-Staaten auf unser Land als antidemokratischer Affront empfunden \u2013 gegen unsere Souver\u00e4nit\u00e4t, gegen unser Demokratiemodell und gegen unsere Grundwerte. Die ersten beiden Punkte sind spezifisch f\u00fcr das Tessin, der dritte trifft auf einen Grossteil der Schweiz zu. Zusammen genommen, bewirkten diese \u00dcberlegungen im Tessin die \u00fcberdurchschnittlich hohe Bef\u00fcrwortung der SVP-Initiative. Nun stehen wir vor einem kniffligen R\u00e4tsel: Wie soll man die Personenfreiz\u00fcgigkeit einschr\u00e4nken, gleichzeitig das einschl\u00e4gige bilaterale Abkommen retten und dabei auch vermeiden, das Wirtschaftswachstum in der Schweiz und spezifisch im Tessin zu belasten? Toni Brunner soll auch weiterhin sagen k\u00f6nnen: \u201eIch bin ein Tessiner.\u201c Oder besser: \u201eSono un ticinese.\u201c Sonst erscheint zwischen dem Tessin und der Schweiz am Ende wieder die Mauer des Nichtverstehens.<\/p>\n<p>Marina Masoni 14.02.2013<\/p>\n<p>Articolo apparso sulla NZZ am Sonntag il 23 febbraio 2014<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/nzzs_So_20140223_L0CYO.PDF.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Scarica l&#8217;articolo<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch kann wirklich sagen: Ich bin ein Tessiner.\u201c Der SVP-Pr\u00e4sident [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2636"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2636"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2636\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2638,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2636\/revisions\/2638"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2636"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2636"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2636"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}