{"id":2704,"date":"2014-08-20T16:13:36","date_gmt":"2014-08-20T16:13:36","guid":{"rendered":"http:\/\/marinamasoni.ch\/web\/?p=2704"},"modified":"2021-02-24T16:14:00","modified_gmt":"2021-02-24T16:14:00","slug":"soll-man-mehr-umverteilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/soll-man-mehr-umverteilen\/","title":{"rendered":"Soll man mehr umverteilen?"},"content":{"rendered":"<p>Die Umverteilung von Wohlstand ist in Europa und den USA wieder Thema. Viel Ideologie ist im Spiel, besonders in L\u00e4ndern, die unter der Wirtschaftskrise leiden und sich nur mit M\u00fche erholen. Einige \u00d6konomen behaupten, dass die Schuldenkrise einzig durch die Neuankurbelung des Konsums zu l\u00f6sen sei und hierzu bed\u00fcrfe es drastischer politischer Umverteilungsmassnahmen. Das Buch des franz\u00f6sischen \u00d6konomen Thomas Piketty \u00fcber das Kapital im 21. Jahrhundert ist zur neuen Bibel der neokeynesianischen Vertreter aus Politik und Wirtschaft geworden.<\/p>\n<p>Die Grundidee ist immer dieselbe: Ein Teil des Verm\u00f6gens und des von ihm generierten Einkommens wird den legitimen Besitzern weggenommen und umverteilt, um die Einkommen jenes Teils der Bev\u00f6lkerung, der nicht \u00fcber dieses Verm\u00f6gen verf\u00fcgt, anzuheben. Ziel ist die Verringerung der Einkommensunterschiede. In allen modernen Demokratien war man bisher der \u00dcberzeugung, dass die progressive Besteuerung den Ausgleich weitgehend realisiert. Dies wird heute nicht mehr als gen\u00fcgend angesehen.<\/p>\n<p>Doch die Einkommenssteuer f\u00fchrt erwiesenermassen zu einer starken Umverteilung. Werfen wir einen Blick aufs Tessin, das eines der sozialsten Steuersysteme aller Kantone aufweist. Die j\u00fcngste vollst\u00e4ndige Statistik geht auf das Jahr 2011 zur\u00fcck (jene von 2012 ist noch l\u00fcckenhaft). Im Tessin leben 189 000 Steuerpflichtige mit einem steuerbaren Gesamteinkommen von 8,8 Milliarden Franken. 2011 entrichteten diese Steuerpflichtigen insgesamt 574,1 Millionen Franken kantonale Einkommenssteuern.<\/p>\n<p>Die Herkunft der Aufkommen ist sehr interessant: Ein Viertel der Steuerpflichtigen zahlte keine kantonalen Einkommenssteuern, da ihr Einkommen unter 20 000 Franken lag und damit steuerfrei war. Betroffen waren 46 496 Personen, vorwiegend Singles. Am anderen Ende der Skala lagen 16 000 Steuerzahlende mit mittelhohen bis hohen Einkommen von \u00fcber 100 000 Franken j\u00e4hrlich. Das entspricht 8,5 Prozent der Steuerpflichtigen. Diese Gruppe entrichtete \u00fcber die H\u00e4lfte aller Steuern: 295,6 von 574,1 Millionen Franken. Die gr\u00f6sste Gruppe lag dazwischen: 126 500 Personen oder zwei Drittel (66,9 Prozent). Dieser Mittelstand zahlte 278,6 Millionen Franken, was knapp der H\u00e4lfte der kantonalen Einkommenssteuereinnahmen entspricht (48,5 Prozent). Dieselben Proportionen gelten f\u00fcr die kommunalen Einkommenssteuern, die aufgrund der Kantonssteuer berechnet werden.<\/p>\n<p>Das ist die Realit\u00e4t. Man kann dem Tessin vieles nachsagen, aber nicht, dass es keine deutliche Umverteilung der Einkommen praktiziert.<\/p>\n<p>Marina Masoni \/ luglio 2014<\/p>\n<p>Articolo apparso sulla NZZ am Sonntag il 10 agosto 2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Umverteilung von Wohlstand ist in Europa und den USA [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2704"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2704"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2704\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2705,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2704\/revisions\/2705"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}