{"id":2718,"date":"2014-09-26T16:19:44","date_gmt":"2014-09-26T16:19:44","guid":{"rendered":"http:\/\/marinamasoni.ch\/web\/?p=2718"},"modified":"2021-02-24T16:20:27","modified_gmt":"2021-02-24T16:20:27","slug":"strassburg-hilft-dem-tessin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/strassburg-hilft-dem-tessin\/","title":{"rendered":"Strassburg hilft dem Tessin"},"content":{"rendered":"<p>Niemand darf sein Gesicht auf \u00f6ffentlichen Strassen und Pl\u00e4tzen oder in f\u00fcr \u00f6ffentliche Zwecke bestimmten R\u00e4umen (religi\u00f6se Einrichtungen ausgenommen) verh\u00fcllen oder verbergen. Niemand darf eine andere Person aufgrund ihres Geschlechts dazu zwingen, ihr Gesicht zu verh\u00fcllen.\u00bb Vor einem Jahr, am 22. September 2013, entschied das Tessiner Stimmvolk mit grossem Mehr, diese Bestimmung in der Kantonsverfassung zu verankern. Noch steht die Gew\u00e4hrleistung dieser Verfassungs\u00e4nderung durch den Bund aus. Am 1. Juli hat der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte nun aber ein Urteil zur Beschwerde einer Franz\u00f6sin muslimischen Glaubens gegen ein \u00e4hnlich lautendes franz\u00f6sisches Gesetz gef\u00e4llt. Dieses Urteil ist auch f\u00fcr unser Land wichtig, weil es die Begr\u00fcndung des Tessiner Verfassungsartikels st\u00fctzt und legitimiert. Es geht dabei um die Gew\u00e4hrleistung der Voraussetzungen f\u00fcr ein Leben in Gesellschaft, f\u00fcr ein Zusammenleben. Die freiwillige oder aufgezwungene Gesichtsverh\u00fcllung im \u00f6ffentlichen Raum ist eine Abgrenzung gegen die anderen Menschen, welche diese Voraussetzungen verneint. Sie kann von der Gemeinschaft als Angriff auf das Recht des anderen empfunden werden, sich in einem gesellschaftlichen, auf das Zusammenleben ausgerichteten Raum zu entfalten. Das Burka- und Nikabverbot in der \u00d6ffentlichkeit ist verh\u00e4ltnism\u00e4ssig und verletzt weder die Religions- noch die Meinungsfreiheit noch das Recht auf Nichtdiskriminierung. So das Urteil der Strassburger Richter. Diese Begr\u00fcndungen sind nachvollziehbar. Die Verbreitung von islamischen Schleiern, die das Gesicht der Frauen ganz oder fast ganz verh\u00fcllen, betrifft unsere Identit\u00e4t. Sie l\u00e4uft nicht nur den m\u00fchevoll errungenen Fortschritten auf dem Weg zur Gleichberechtigung entgegen, sondern auch den Grundwerten einer freien und offenen Gesellschaft wie etwa Freiheit, Toleranz und Menschenw\u00fcrde. Die Gesichtsverh\u00fcllung steht f\u00fcr Intoleranz, Abschottung und f\u00fcr die Weigerung, sich zu integrieren. In unserem Gesellschaftsmodell wird sie als Provokation empfunden und als Angriff auf unsere Mentalit\u00e4t und Lebensart. Sie ist keine neutrale Wahl, der man gleichg\u00fcltig gegen\u00fcber steht wie einem als unsch\u00f6n empfundenen Kleid. Eine einzige Begegnung mit einer Frau, die durch Burka oder Nikab verh\u00fcllt ist, gen\u00fcgt, um zu erkennen, dass diese Bekleidung eine Herausforderung unserer Freiheit durch die Nichtfreiheit, unserer Toleranz durch die Intoleranz und unserer Offenheit durch die Abschottung ist. Das Urteil aus Strassburg schafft da Klarheit und ist auch f\u00fcr unser Land ein Bezugspunkt.<\/p>\n<p>Marina Masoni \/ Articolo apparso sulla NZZ am Sonntag il 21 settembre 2014<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/nzzs_So_20140921_LJCL2.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Scarica l&#8217;articolo<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niemand darf sein Gesicht auf \u00f6ffentlichen Strassen und Pl\u00e4tzen oder [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2718"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2718"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2718\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2720,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2718\/revisions\/2720"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2718"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2718"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2718"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}