{"id":2729,"date":"2014-10-24T16:22:58","date_gmt":"2014-10-24T16:22:58","guid":{"rendered":"http:\/\/marinamasoni.ch\/web\/?p=2729"},"modified":"2021-02-24T16:23:34","modified_gmt":"2021-02-24T16:23:34","slug":"unbegreifliche-kehrtwende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/unbegreifliche-kehrtwende\/","title":{"rendered":"Unbegreifliche Kehrtwende"},"content":{"rendered":"<p>Die Kapitalgewinnsteuer ist wieder auf dem Tisch. Nicht etwa auf Anregung der Linken, sondern des Bundesrates, leise und unauff\u00e4llig, in der Vernehmlassungsvorlage zur Unternehmenssteuerreform III. Noch im Jahr 2001 hatte der Bundesrat die vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund geforderte Besteuerung von Kapitalgewinnen bek\u00e4mpft. Doch jetzt lanciert er die Idee sogar selbst, obwohl Volk und St\u00e4nde sie damals deutlich verworfen haben.<br \/>\nMan darf seine Meinung durchaus \u00e4ndern, doch sollte es sehr gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr geben. Solche sind jedoch im Bericht zur Unternehmenssteuerreform III nicht zu erkennen. Der Bundesrat beruft sich auf die notwendige Vereinfachung der Steuergesetzgebung und will die erwarteten Steuerausf\u00e4lle aus der Reform wettmachen.<br \/>\nBeunruhigend an der bundesr\u00e4tlichen Flucht nach vorne ist, dass die angestrebte Kapitalgewinnsteuer weit \u00fcber die damals vom Volk verworfene Forderung des Gewerkschaftsbundes hinausgeht. Dieser hatte einen Einheitssatz von mindestens 20 Prozent auf den Kapitalgewinn verlangt. Nun will die Regierung den Kapitalgewinn zu den anderen Einkommen der nat\u00fcrlichen Personen schlagen und als solches besteuern. Dies w\u00fcrde zu progressiven und deutlich h\u00f6heren Steuers\u00e4tzen f\u00fchren. Mit einem Unterschied: Bei Kapitalgewinnen aus Beteiligungsrechten sollen 70 Prozent in die Bemessungsgrundlage einfliessen, bei anderen Wertpapieren w\u00e4ren es 100 Prozent. Solche Gewinne w\u00fcrden also zum steuerbaren Einkommen hinzugerechnet, so wie der Eigenmietwert f\u00fcr Hausbesitzer.<br \/>\nDas h\u00e4tte schwerwiegende Auswirkungen auf die Steuerlast. Im Tessin betr\u00e4gt der maximale Steuersatz f\u00fcr nat\u00fcrliche Personen 41,5 Prozent (15 Prozent Kantons-, 15 Prozent Gemeindesteuer bei einem Steuerfuss von 100 Prozent, 11,5 Prozent direkte Bundessteuer). Die Grenzsteuers\u00e4tze k\u00f6nnen noch h\u00f6her ausfallen. Beim Verkauf von Aktien w\u00fcrde 70 Prozent des Kapitalgewinnes zum Einkommen hinzugerechnet und entsprechend besteuert, bei Obligationen und anderen Titeln sogar der gesamte Kapitalgewinn.<br \/>\nWir gehen also nicht nur mehr b\u00fcrokratischem Aufwand entgegen, sondern auch einem massiven Anstieg der Steuerlast, der unseren Finanzplatz im internationalen Vergleich benachteiligen w\u00fcrde. Italien zum Beispiel besteuert den Kapitalgewinn nach der Steuererh\u00f6hung durch die Regierung Renzi mit 26 Prozent (zuvor 20). Und es wird dort keine umfassende Verm\u00f6genssteuer erhoben, die \u2013 wie in der Schweiz \u2013 das Kapital j\u00e4hrlich belastet. Die Kehrtwende des Bundesrates ist unbegreiflich.<\/p>\n<p>Marina Masoni \/ 13.10.2014<\/p>\n<p>Articolo apparso sulla NZZ am Sonntag il 19.10.2014<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/nzzs_So_20141019.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Scarica l&#8217;articolo<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kapitalgewinnsteuer ist wieder auf dem Tisch. Nicht etwa auf [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2729"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2729"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2729\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2731,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2729\/revisions\/2731"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2729"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2729"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2729"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}