{"id":2887,"date":"2015-12-18T13:19:33","date_gmt":"2015-12-18T13:19:33","guid":{"rendered":"http:\/\/marinamasoni.ch\/web\/?p=2887"},"modified":"2021-02-25T13:20:17","modified_gmt":"2021-02-25T13:20:17","slug":"tessin-geht-wieder-leer-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/tessin-geht-wieder-leer-aus\/","title":{"rendered":"Tessin geht wieder leer aus"},"content":{"rendered":"<p>Die italienische Schweiz und das Tessin sind auch weiterhin nicht im Bundesrat vertreten. Der offizielle SVP-Kandidat Norman Gobbi ist am 9. Dezember nicht gew\u00e4hlt worden. Ungeachtet der Sympathien oder Antipathien gegen\u00fcber Gobbi ist dies in einem f\u00f6deralistischen Staat kaum nachvollziehbar. Der bis heute letzte Tessiner Bundesrat, Flavio Cotti, ist 1999 aus der Landesregierung geschieden.<br \/>\nIm neuen Jahrtausend fanden italienische Sprache und Kultur noch nie Einzug in die \u00aboberste leitende und vollziehende Beh\u00f6rde des Bundes\u00bb, wie es in Artikel 174 unserer Bundesverfassung heisst. Aber was steht dort eigentlich genau? Analog zu der franz\u00f6sischen heisst es in der italienischen Fassung, die verschiedenen Landes- und Sprachregionen \u00abdevono essere equamente rappresentate\u00bb. W\u00f6rtlich \u00fcbersetzt: Sie \u00abm\u00fcssen\u00bb dort \u00abgleichm\u00e4ssig\u00bb (oder: \u00abgerecht\u00bb) vertreten sein. Die deutsche Version der Verfassung klingt \u2013 zumindest f\u00fcr Nichtdeutschsprachige \u2013 etwas weniger stringent und verbindlich: Es \u00abist darauf R\u00fccksicht zu nehmen, dass die Landesgegenden und Sprachregionen angemessen vertreten sind\u00bb. So lautet auch die r\u00e4toromanische Fassung. Hier zeigen sich die Vor- und Nachteile des sprachlichen und kulturellen F\u00f6deralismus und der Juristensprache: Als die Stimmb\u00fcrger der italienischen Schweiz die revidierte Bundesverfassung annahmen, taten sie dies in der \u00dcberzeugung, dass dieses Grundgesetz ihrer geografischen und sprachlichen Region, also der dritten Schweiz, garantiere, nicht aus dem Bundesrat ausgeschlossen zu bleiben. Nur wenige d\u00fcrften nachgepr\u00fcft haben, was in dem Verfassungsartikel wirklich steht.<br \/>\nWas versteht sich aber unter \u00abequamente\u00bb oder \u00abangemessen\u00bb vertreten? Gewiss nicht, dass das Tessin st\u00e4ndig Anrecht auf einen Bundesrat hat. Doch dass das Tessin mehr als vier Legislaturperioden hintereinander ausgegrenzt bleibt, l\u00e4sst sich nur schwer mit dem Konzept der fairen Vertretung der dritten Schweiz vereinbaren. Trotzdem haben die eidgen\u00f6ssischen R\u00e4te so entschieden. Da wurde eine Chance vertan.<br \/>\nIn ganz Europa erleben wir zentrifugale Kr\u00e4fte und Spannungen. Die Schweiz ist dagegen nicht immun, auch wegen des Drucks von aussen. Warum wurde die Chance zum Miteinandergehen, zu unserem echten und einzigartigen F\u00f6deralismus, nicht gepackt, die zudem ausgerechnet von der SVP ausging, einer Partei, der man kaum nachsagen kann, sie gebe \u00e4usserem Druck nach? Die Mehrheit des Bundesparlaments war am 9. Dezember wenig weitsichtig und wenig schweizerisch.<\/p>\n<p>Marina Masoni \/ Articolo apparso sulla NZZ am Sonntag il 13 dicembre 2015<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/nzzs_So_20151213.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Scarica l&#8217;articolo<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die italienische Schweiz und das Tessin sind auch weiterhin nicht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2887"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2887"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2887\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2889,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2887\/revisions\/2889"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2887"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2887"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2887"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}