{"id":2957,"date":"2016-07-15T13:44:04","date_gmt":"2016-07-15T13:44:04","guid":{"rendered":"http:\/\/marinamasoni.ch\/web\/?p=2957"},"modified":"2021-02-25T13:44:42","modified_gmt":"2021-02-25T13:44:42","slug":"bottas-kirche-als-symbol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/bottas-kirche-als-symbol\/","title":{"rendered":"Bottas Kirche als Symbol"},"content":{"rendered":"<p>Eine kleine Kirche, ein grosser Schritt in die Zukunft und ein Blick zur\u00fcck, ohne die Vergangenheit zu verkl\u00e4ren, sondern um aus ihr neue Wege abzuleiten: das ist die Kirche von Mogno im Val Lavizzara. Einst stand dort das Kirchlein San Giovanni Battista zu Ehren Johannes des T\u00e4ufers, ein Kleinod aus dem 17. Jahrhundert, das am 25. April 1986 von einer Lawine zerst\u00f6rt wurde.<br \/>\nDer Blick zur\u00fcck zeigt den harten Alltag eines abgelegenen Bergdorfes. Der Blick nach vorne zeigt ein Tessin, das sich bei Problemen und R\u00fcckschl\u00e4gen immer wieder neu erfindet. Die neue Kirche von Mogno wurde von Mario Botta entworfen und vor zwanzig Jahren eingeweiht, 1996, genau zehn Jahre nach dem Niedergang der zerst\u00f6rerischen Lawine. Heute geh\u00f6rt die Kirche zu den sch\u00f6nsten Symbolen dieses Tessins, das sich immer wieder aufrichtet, ohne sich dabei zu verleugnen. Der doppelte Jahrestag wurde Ende Juni im Beisein von Bundesrat Alain Berset gefeiert. Die Ansprachen und der \u00f6ffentliche Dialog zwischen Berset und Botta gaben viele Denkanst\u00f6sse. Heute schauen alle mit Bewunderung und sogar Stolz auf die Kirche von Mogno. Dieses erstaunliche religi\u00f6se Monument war allerdings urspr\u00fcnglich sehr umstritten \u2013 auch das geh\u00f6rt zur Tessiner Identit\u00e4t.<br \/>\nDie Auftragsvergabe an Mario Botta schlug damals hohe Wellen. Sein Projekt l\u00f6ste in der Bev\u00f6lkerung und in der Politik hitzige Diskussionen aus. Botta ist aufgrund seiner Kreativit\u00e4t und Genialit\u00e4t solche Anfeindungen eigentlich gewohnt, doch damals waren die Reaktionen besonders heftig: \u00abDieses Projekt hat durch seine Entschiedenheit und Kraft mehr als alle anderen im ganzen Land ideologische Diskussionen und heftige Polemiken ausgel\u00f6st, die gewiss in keinem Verh\u00e4ltnis zum Bau selbst stehen\u00bb, schrieb Botta 1999 in seinen Gedanken zur Kirche von Mogno. Sie zeugen von der Weisheit und der Bescheidenheit eines grossen Architekten.<br \/>\nTatsache ist, dass die Diskussionen rund um Mogno weit \u00fcber das Geb\u00e4ude als solches hinausgingen: Identit\u00e4t und Modernit\u00e4t, Erhaltung und Erneuerung, Tradition und Wandel. Diese Dialektik geh\u00f6rt zu jeder reifen Gesellschaft. Im Tessin kann sie jedoch erstaunlich viel Staub aufwirbeln. Der Grenzkanton, sprachliche Minderheit auf der Nord-S\u00fcd-Achse zwischen den zwei Wirtschaftsm\u00e4chten Z\u00fcrich und Mailand, wankt zwischen der Angst, Sicherheiten einzub\u00fcssen und es nicht mehr zu schaffen, und dem Mut sowie dem Vertrauen in die eigenen Mittel und F\u00e4higkeiten. Die kleine grosse Kirche von Mogno kann als Sinnbild f\u00fcr dieses Tessin gesehen werden.<\/p>\n<p>Marina Masoni \/ Articolo apparso sulla NZZ am Sonntag il 10 luglio 2016<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/nzzs_So_20160710.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Scarica l&#8217;articolo<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kleine Kirche, ein grosser Schritt in die Zukunft und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2957"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2957"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2957\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2959,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2957\/revisions\/2959"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2957"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2957"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.marinamasoni.ch\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2957"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}